Monika Krautwurst

Praxis für
Traditionelle Chinesische Medizin & Hypnosetherapie

GUA SHA

Als ich das erste Mal mit der Methode „Gua Sha“ in Berührung kam, konnte ich meinen entsetzten Gesichtsausdruck wohl nicht verbergen: „DAS soll gesund sein? Und auch noch helfen?“. Mir bot sich das Bild eines zwar strahlenden, aber deutlich „malträtierten“ Patienten.

Der jedoch glaubhaft bestätigte, dass es ihm „Viel Besser“ gehe, nachdem er mit starken Schmerzen im Schulter-Nacken- Bereich zur Behandlung gekommen war. Er war am Ort des Schmerzes übersäht mit Petechien, punktförmigen Hauteinblutungen, die wirkten wie ein riesiger „Knutschfleck“.

Die nachhaltig positive Wirkung allerdings überzeugte mich und ich begann, mich mit dieser Methode der Chinesischen Medizin näher zu beschäftigen.

Ein Volksheilmittel

Das Zeichen „Gua“ bedeutet „reiben“ oder „Reibung“.

Das Schriftzeichen für „SHA“ setzt sich zusammen aus dem Zeichen für Krankheit und Sand.

Sha wird übersetzt mit „Sand“, „Haihaut“ oder „rötlich erhabene, hirseähnliche Hautausschläge“ und beschreibt jene Hautzeichen, die im Zuge der Therapie auftreten.

„Gua Sha“ ist im eigentlichen Sinne als Volks- und Familienmedizin weit verbreitet. Daher wird es an den Universitäten für TCM in der Regel nicht gelehrt.

Wenn in der Familie ein Mitglied von Fieber geplagt war oder Schmerzen hatte wurde sofort „Gua Sha“ angewandt. „Gua Sha“ ist für eine asiatische Familie, was Hühnersuppe für eine jüdische Familie ist. (A. Nielsen)

Prinzip der Gegenwirkung

Die Wirkung von GUA SHA ist erklärbar durch das Prinzip der Gegenwirkung , welches bis zum Corpus Hippocraticum zurückdatiert werden kann und besagt, dass „keine zwei Krankheiten, die das gesamte Befinden beeinflussen zur selben Zeit über eine längere Zeitperiode bestehen können“ John Epps (1832)

Gilles (1895) beschreibt dieses Prinzip: „Wenn tief im Gewebe eine Entzündung ist, lass uns durch Gegenirritation eine andere auf der Oberfläche hervorrufen. Wir müssen die tiefe Läsion zerstören und bekommen stattdessen eine oberflächliche Entzündung, mit der wir leicht umgehen können“

Der Pfad des Qi (Lebensenergie)

In der Chinesischen Medizin(Acupuncture: A Comprehensive Text, O`Connor& Bensky 1981) wird die Qi- Zirkulation in eine vertikale Zirkulation (Hauptmeridiane) und in eine horizontale Zirkulation (z.B. Luo- Gefäße) unterteilt. Die horizontale Zirkulation wird als Pfad des Qi bezeichnet und mit dem San Jiao (Dreifacher Erwärmer) in Verbindung gebracht.

Die Bewegungsausrichtung des Pfades des Qi entspricht der Beschreibung des San Jiao, d.h., dass oberflächliche Behandlungstechniken, wie GUA SHA oder Akupunktur Störungen der jeweiligen Erwärmer behandeln können.

Ein Beispiel:

Gua Sha an HWS und oberen BWS Bereich (TH1-TH5) oder Bl 11-15 wirken sich auf das Gebiet des oberen Erwärmers aus und behandelt: Kopf, Nacken, Herz, Brust, Lunge und obere Extremitäten.

Soviel zur Theorie- und was bewirkt „Gua Sha“ genau?

„Gua Sha“ hat zahlreiche positive Wirkungen. Es bewegt gestautes Blut und fördert den Blutfluss zu Muskel, Geweben und Organen, die unter der behandelten Hautstelle liegen.

Der Patient verspürt eine unmittelbare Änderung von Steifheit, Schmerzen und Beweglichkeit.

Durch die Bewegung von Körperflüssigkeiten, die Nährstoffe zu den Geweben zu tragen und Stoffwechselabfälle von ihnen wegzutransportieren, werden die normalen Stoffwechselvorgänge wiederhergestellt.

Somit zählt „GuaSha“ natürlich zu den Ausleitungsverfahren.

Der Drucktest

Um zu prüfen, ob „Sha“ vorhanden ist, wird ein einfacher Drucktest durchgeführt.

Ah Shi oder Triggerpunkte werden mit den Fingern des Therapeuten palpiert und dadurch das Blut aus dem Gebiet verdrängt.

Ist ein regelmäßiger Qi- und Blutfluss vorhanden, verschwinden die entstandenen weißen Flecken schnell.

Verschwinden sie langsam, gibt es Hinweis aufeinen behinderten Blutfluss und somit auf Vorhandensein von „Sha“.

Ursache für den gestörten Fluss von Qi und Blut können einerseits Fülle (Shi) Zustände sein,

z.B. eingedrungene pathogene Faktoren Wind, Kälte oder Feuchtigkeit; andererseits auch Leere (Xu) Zustände wie Qi- und / oder Blutmangel.

Das Werkzeug

Es eignet sich zur Behandlung jeder Gegentand mit glatter Kante.

Chinesischer Suppenlöffel

Münzen

Deckel von Babykostgläschen oder Dosen

Spezielle „Gua Sha“ Schaber

Indikationen

Alle Schmerzzustände, die auf Vorhandensein von „Sha“ deuten. Eingedrungene pathogene Faktoren, wie Wind, Kälte oder Feuchtigkeit blockieren die Zirkulation von Qi und müssen über die Oberfläche eliminiert werden.

Wir suchen auf betroffener Meridianebene nach schmerzhaften Punkten AhShi-Punkten und verwenden GuaSha im betroffenen Areal.

Innere Erkrankungen können wir über den zugehörigen Erwärmer und die Zustimmungspunkte des Blasenmeridians.

Einige Beispiele:

  • Nacken- und Schulterverspannungen (Xu- Mangelzustand/ Shi-Füllezustand)Bronchitis
  • Akute Lumbago
  • Ischialgie
  • Tennisellebogen
  • Kopfschmerzen
  • Postakute Rippenfraktur
  • Mastitis
  • Mastopathie
  • Erkältung
  • Karpaltunnelsyndrom
  • Obstipation
  • Schulterschmerzen
  • Postmastktomiesyndrom
  • Arythmie ( adjuvant)
  • Asthma
  • Sinusitis
  • Meteorismus
  • Flankenschmerzen
  • Interkostalneuralgie

In meiner Praxis wende ich „GuaSha“ oft in Verbindung mit anderen Verfahren der Chinesischen Medizin an.

Wir haben die Möglichkeit, durch Anwendung von „GuaSha“ die Wirkung von Akupunktur und /oder TuiNa- Massage sehr effektiv zu unterstützen!

In manchen Fällen ist „GuaSha“das Hauptinstrument zur Behandlung der Krankheit; in manchen Fällen ist „GuaSha“ ein hervorragendes Hilfsmittel zur Beschleunigung der Genesung.

Kontraindikationen

  • frisch verletzte Gebiete
  • Sonnenbrand, Hautausschläge, Hautrisse
  • auf Pickeln und Leberflecken ist „GuaSha“ verboten (bitte mit einem Finger abdecken)
  • am Bauch schwangerer Frauen
  • allgemein selten an weichen Geweben
  • Vorsicht bei Patienten mit extremem Mangelsyndrom
  • Patienten mit Blutgerinnungsstörungen / Antikoagulantien

Die Behandlung

Wichtig ist es, den Patienten in eine für den zu behandelnden Körperbereich optimale Sitz - oder Liegeposition zu bringen.

Nachdem das zu behandelnde Areal mit Öl bedeckt und einmassiert wurde, setzt der Therapeut die abgerundete Kante über das zu behandelnde Gebiet auf. Die Kante sollte sich in einem etwa 30 Grad Winkel zur Haut befinden. Nun streicht der Therapeut mit angemessenem Druck abwärts. Der Beginn ist oberhalb des zu behandelnden Gebietes, das Ende unterhalb um das gesamte Areal zu erreichen.

Traditionell beginnt die Strichfolge auf der Mittellinie des Rückens (DuMai), geht weiter über der inneren Ast des Blasenmeridians und bewegt sich nach außen zum lateralen Ast.

Im Bereich des Nackens streicht der Therapeut ebenfalls nach unten, außer im Bereich des Haaransatzes, wo die Strichfolge in Richtung Haaransatz ist. ( Cave: Bei Patienten mit aufsteigendem Le- Yang)

Am seitlichen Rücken und Ventral erfolgt das Streichen immer entlang der Körperstrukturen.

Durch die „GuaSha“- Striche entstehen kleine, rote Petechien, die nach und nach zu Ekchymosen verschmelzen.

Natürlich ist das „ Feed back“ des Patienten von enormer Wichtigkeit!

„Gua Sha“ sollte nie schmerzhaft sein, obwohl es an manchen Stellen etwas unangenehm sein kann, vor allem in dem Moment, wo „Sha“ an die Oberfläche tritt.

Vereinbaren Sie mit Ihren Patienten ein eindeutiges „Stopp“ Signal, um die Behandlungsstärke anpassen zu können.

  1. Gebiet mit Öl vorbereiten.
  2. Abgerundete Kante des GuaSha-Werkzeugs im 30 Grad Winkel ansetzen.
  3. Mit moderatem Druck oberhalb bis unterhalb des zu behandelndem Areals streichen.
  4. Regelmäßige Strichfolge in eine Richtung bis alles „Sha“ a.d. Oberfläche ist. Kein Hin- und Her Schaben!

Die Nachbereitung

Der Patient empfindet nach der Behandlung oft eine direkte Erleichterung und Wohlbefinden, das behandelte Gebiet ist gut durchwärmt und durchblutet.

Der Therapeut sollte dem Patienten das „Sha“ mittels Spiegel zeigen, oft entstehen nachfolgend noch Fragen von Seiten des Patienten und er kann sein Wohlbefinden trotz optischer Zeichnung besser einordnen.

Folgende Informationen sollten Sie Ihren Patienten mit auf den Weg geben:

  1. Nach einer „GuaSha“- Behandlung sollte der Patient das Areal bedecken, sowie Wind und Sonnenexposition vermeiden.
  2. Am Tag der Behandlung sollten schwere körperliche Anstrengungen vermieden werden.
  3. Dehnübungen sind empfehlenswert.
  4. Möglichst viel Trinken.
  5. Kaffee kalte und saure Lebensmittel sind zu meiden bis die Hautzeichnungen resorbiert sind.

In der Regel wird der Patient in den nächsten 1-2 Tagen ein leichtes Muskelkatergefühl beschreiben.

Es ist meist ausreichend, ein bis zwei „GuaSha“ Behandlungen wöchentlich allein oder in Kombination mit anderen Methoden wie Akupunktur und TuiNa durchzuführen. Die Petechien sollten vor der nächsten Behandlung resorbiert sein.

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Monika Krautwurst

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Neumarkt 47

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